Sehr geehrte Damen und Herren Kunstinteressierte,

sehr geehrte Herren Bürgermeister,

liebe Freunde der Familie,

liebe Manous.

Mein lieber Freund Stephane,

wenn du heute die Einweihung deines Ateliers feierst, so ist dies natürlich ein besonderer Tag für dich – und für euch.

Bevor ich über deine Kunst spreche, möchte ich aber vor allem dir, liebe Sandra, danken, dass du ihm – und damit auch uns – so viel Freude bereitest, weil du deinem Mann die nötige Zeit einräumst, seine Kunst zu schaffen.

Der Begriff des „Schaffens“ steckt ja auch schon im „Atelier“, stammt dieser Begriff doch ursprünglich aus dem französischen Wort für „Splitter“, das den Werkstattcharakter des Raumes hervorhebt. Des Weiteren beschreibt das „Schaffen“ – als im Deutschen überaus positiv konnotiertes Wort – sehr gut den Prozess der ausgelebten Kreativität, das ins Leben Rufen, die Erweckung eines Gedankens in die Realität. Gleichzeitig ist dem Begriff der Aspekt der Arbeit innewohnend, wird doch eine Leistung erbracht, etwas gestaltet, was mit erheblichem zeitlichen Aufwand verbunden ist.

So eröffnet Stephane heute nicht nur einen „Arbeitsraum“, er eröffnet uns einen Raum der Begegnung, ermöglicht innere Auseinandersetzung mit seinen und den eigenen Emotionen und Empathien und lädt zum Austausch ein.

Stephane begrenzt seine künstlerischen Aktivitäten nicht ausschließlich auf die Malerei, sondern bearbeitet Ton, erstellt Zeichnungen und Grafiken und verbindet zum Teil diese Kunstformen, um seine Gedanken und Gefühle in weiteren Ebenen auszuleben, und ermöglicht so dem Rezipienten, vielfältig einzutauchen und sich hineinziehen zu lassen von seinem Blick auf die Welt und deren Wesen.

Fast in jedem Bild verstecken sich sozusagen Bilder im Bild, gilt es Verborgenes zu entdecken, die Vielschichtigkeit des Ganzen muss erkannt und wertgeschätzt werden. Vordergründig die Abbildung einer Person, entpuppt sich der sogenannte Hintergrund als mannigfaltig verschlungen und verwoben, ein verworrenes, variierendes Farb- und Formenspiel mit weiterreichenden Botschaften.

Gelingt es dem Künstler, fragile Schönheit zugleich mit graziler Zerbrechlichkeit zu verbinden, den flüchtigen Augenblick eines Gesichtsausdrucks auf ewig verharren zu lassen, ist im Hintergrund eine gänzlich andere Abbildungsebene auszumachen, deren Farbpalette von kräftig und ausdrucksstark bis zurückhaltend dezent reicht. Die entsprechenden Spannungen legen meiner Ansicht nach den Kern seines Werkes frei, den Widerstreit zwischen Verfall und Auflösung, Verletzlichkeit und Intimität, kontrastiert von Hoffnung und Freude, Schönheit und starken Lebensmotiven. Erscheinen die figürlich Dargestellten oft seltsam entrückt, abwesend bis zweifelnd, finden sie sich in scharf abgetrennten Umgebungen wieder, welche sie abstrakt aufgesetzt erscheinen lassen und den Gemälden so eine sehr eigene Dramaturgie verleihen.

Die Kompositionen sind spannungsvoll dynamisch, und allzu häufig ertappt man sich bei der Frage, was das Motiv wohl erlebt hat, dass es in einer solchen Situation angetroffen wurde. Die Betrachter*innen bleiben an den Blicken der Personen hängen, verlieren sich regelrecht darin, sind gefangen vom Ausdruck, spüren den Gefühlen des vermeintlichen Gegenübers nach und erkennen, dass durch die Bildbetrachtung der Weg ins eigene Innere vollzogen wird, sie letztendlich mit sich selbst kommunizieren.

Unaufdringlich und ohne sich anzubiedern, finden sich auch Bezüge zu „alten“ Meistern bzw. hoch dotierten Künstlern wie Klimt, Mondrian oder Emil Nolde, um nur einige zu nennen. Und dies äußere ich, weil ich denke, dass wir uns im Arbeitsraum eines ähnlich talentierten, ausdrucksstarken Künstlers befinden.

Zeigt sein Pinselstrich auch selten Geradlinigkeit oder gar den rechten Winkel, so ist doch sein Signet das genaue Gegenteil. Versteckt, geradezu verborgen, verschachtelt stellt sich Stephane Manou vor. Auf seiner Homepage ist sein Logo sehr prominent und zuallererst zu finden und auf seinen Bildern, wenn überhaupt, dann doch eher am Rande, im Hintergrund, dezent. Meines Erachtens wieder etwas, das seinen Werken ebenfalls innewohnt, nämlich das sich am Rand Befindliche, das Zurückgezogene.

Schließen möchte ich nun mit einem Bezug zu seiner Homepage, wo Rilke folgendermaßen zitiert wird:

„Kunst heißt, nicht zu wissen, dass die Welt schon ist, und eine neue machen.“ In Anlehnung an dieses Zitat ist mir, nach der intensiven Beschäftigung mit Künstler und Werk, Folgendes in den Sinn gekommen, nämlich, dass seine Kunst heißt, doch zu wissen, dass die Welt bereits ist, und dem Betrachter durch sie einen tieferen Zugang zu ihr und sich selbst ermöglicht wird.

Meine Damen und Herren,

ich wünsche viel Freude beim Eintauchen und vielleicht auch beim Einkaufen.

Ich danke Ihnen für Ihre Aufmerksamkeit.